Volxsturm – Ein kleines bisschen Wut (Review)

Ein kurzes Nebelhorn, läutende Glocken, zwitschernde Möwen und Streichermusik – so melden sich VOLXSTURM anno 2011 zu ihrem 20-jährigen Jubiläum zurück. “Ich hab die Strasse gesehn” hängt sicher noch einigen von der Harrington-Split im Ohr, mir persönlich geht der Song seit dem letzten Endless Summer nicht mehr aus dem Kopf heraus. Leider liegt mir zum Zeitpunkt noch keine physische Kopie vor – da muss ich mich genauso, wie ihr, bis morgen gedulden. Aber das Paket hat es echt in sich: eine Cd, 64 Seiten Booklet und eine DVD mit interaktivem Videospiel, Kurzfilm und Songvideos. Da bekommt man noch was für sein Geld.

Nachdem der erste Song die uns bekannten Klänge eingenommen hat, eine Spur anders abgemischt, kann das Hörvergnügen auch schon losgehen. “Akkorde unseres Lebens” ist eine Hymne an die Subkulturen, mit einem schönen kleinen Ska-Part  – könnte live durchaus abgehen. Ein schönes Zeichen haben Volxsturm auch mit “Szenetotentanz” gesetzt. Ein musikalischer Stinkefinger an alle Tastatur-Hooligans und Szenepolizisten – nach 20 Jahren stehen sie eben einfach drüber. “Een Boot” ist ein “Seemannsgarn”-ähnlicher kleiner musikalischer Ausbrecher mit überraschend klarem Gesang und einer melancholisch angehauchten Seefahrer-Stimmung. Nette Abwechslung zwischendurch!

“Schiss vor Punk” ist auch wieder ein Song, bei dem die Band sich über Möchtegern-Punks/Skins mal ordentlich auskotzt. In welche konkretere Richtung das Ganze ausgelegt ist, kann sich jeder selbst denken. Aus meiner Sicht sind wohl diejenigen angesprochen, die eine sogenannte “Rebellion” feiern und dabei ach so rebellische Dinge wie Heimatliebe, Ordnung und Disziplin feiern, ach ja… “Attitüde, Freundschaft, Stil” – eine Hymne an sich selbst und die Skinhead-Kultur, schlägt da in eine andere Richtung. Wir konnten ihn schon auf dem Sunny Bastards Labelsampler hören und selbst unser Taxifahrer in Oberhausen schien diesen Song zu mögen. Musikalisch ist er kein absoluter Burner, aber ein wunderbar ehrlicher Song mit passendes Statements und hohem Livepotenzial.

In eine ähnliche Kerbe schlägt da auch “Für immer und die Ewigkeit”, während “Carpe Diem” und “Sehnsucht nach Zukunft” entgegen den Trend alles scheiße zu finden auch mal positive Blicke auf das Leben werfen. Werden die Jungs da etwa schon altersweise? Eigentlich egal, die Lyrics wirken auf jeden Fall sehr ausgereift und vor allem eigenständig. Besondere Überraschung ist da noch die Hommage an DRITTE WAHL im letzten Song “Kein Wort”. Im Original eigentlich eine sehr ruhige Ballade, haben die OIs es doch tatsächlich gewagt eine Ska-Punk’n'Oi-Nummer daraus zu machen. Tja, und das kann sich verdammt nochmal hören lassen und gibt zugleich mal einen etwas anderen Blickwinkel auf den allseits bekannten Songtext.

Nun heißt es noch abwarten bis der Postbote das Päckchen liefert – musikalisch ist hier auf keinen Fall eine Enttäuschung zu erwarten. Eher im Gegenteil, die Norddeutschen geben sich auf dem Album noch eine Spur abwechslungsreicher, klingen aber Alles in Allem immer noch nach 100% Volxsturm. Wer übrigends gerne noch ein Kartenspiel von, mit und über Volxsturm haben möchte, sollte sich schleunigst die Vinyl bei Contra-Records bestellen, denn diese dürfte schon sehr bald vergriffen sein!

 

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