Volxsturm – 20 Jahre – Das Interview

Hallo und viele Grüße an die Küste. Ich denke zu Beginn können wir uns den ganzen “Wer seid ihr und was mach ihr”-Quatsch sparen und kommen direkt ans Eingemachte.

Spätestens seit dem Clip zu “Ich hab die Strasse gesehen” wartet jeder auf den Zeitpunkt, an dem euer Album endlich erscheint. Wie gehts euch damit?


Marcus: Auch wir erwarten sehnsüchtig die Veröffentlichung, arbeiten wir doch nunmehr fast zwei Jahre an diesem Album. Gespannt sind wir, auf die Reaktionen der Fans. In naher Vergangenheit wurde „Ein Kleines Bisschen Wut“ in verschiedenen Reviews in diversen Fanzines besprochen und wir haben durchweg sehr gute Kritiken bekommen. Aber: die Geschmäcker sind verschieden, daher sind wir sehr gespannt wie das neue Album und vor allem die enthaltenen Gimmicks bei den Leuten ankommen. Der Veröffentlichungstermin verschob sich auf Ende April. Die meiste Zeit beanspruchte das zusätzliche Material. Aber uns war es einfach zu wichtig, mehr als nur ein Musikalbum an den Start zu bringen.

RnR: Es sind eine Menge Extras bei der ganzen Sache enthalten, welche es vorher – zumindest in der Szene – noch nie zu einer Veröffentlichung gegeben haben. Wie entstand die Idee etwas derart “extravagantes” zu machen und gibt es gewisse Dinge, welche ihr in der Zukunft noch realisieren wollt und wozu jetzt einfach die Zeit oder das Geld gefehlt hat?

Marcus: Viele der Ideen entstehen, wenn wir unterwegs sind. Da jeder von uns einen Dickschädel besitzt, müssen auch alle Ideen mit ins Konzept aufgenommen werden, um schlimmere Verletzungen der Bandmitglieder untereinander zu vermeiden. Dazu kommen noch experimentierfreudige Labelbosse und ein kleines bisschen Mut. Es ist manchmal schon recht unheimlich, wenn wir so zusammensitzen. Ideen scheinen uns irgendwie nicht auszugehen, daher machen wir uns auch keine Sorgen, was zukünftige Veröffentlichungen angeht. Musikalisches Material ist schon wieder in Bearbeitung und in der restlichen Zeit ist uns schon wieder so langweilig, dass unsere Frauen aufgrund der Belästigungen durch ihre Männer genervt Reißaus nehmen. Allein, um es mit unseren Familien nicht zu verscherzen, sollten wir wieder anfangen unsere Einfälle festzuhalten und auf nen Silberling zu pressen.

RnR: Welche aktuellen Einflüsse insbesondere auf die Szene haben euch im Songwriting besonders bewegt? Aus Liedern wie “Szenetotentanz” und “Schiss vor Punk” lässt sich ja auch schon eine Menge herausdeuten…

Hinkel: Du hast recht, die beiden von dir genannten Texte setzen sich kritisch mit der “sogenannten Szene” auseinander. Der Text von “Szenetotentanz” entstand schon teilweise, bevor wir als Band überhaupt auf die “Anklagebank” gesetzt wurden. Der Text war als solches nur eine Betrachtung von außen und sollte eigentlich nur zum Nachdenken bewegen. “Schiß vor Punk” beleuchtet die ganze Banalität, die sich zurzeit in der “(Musik)Szene” widerspiegelt. Wie Du schon sagtest: ” es lässt sich eine Menge herausdeuten“…

RnR: Wie kam es zu dem Dritte Wahl – Cover von “Kein Wort” und was bedeutet der Song für euch? Immerhin trägt er zumindest musikalisch einen ganz anderen Charakter als das Original.

Wolf: Der Grund ist zunächst relativ banal: wir wurden vor längerer Zeit von Sunny Bastards gefragt, ob wir einen Song zu einem geplanten Tribut-Sampler beitragen wollten. Da uns zeitlich bedingt schon die Teilnahme am OHL Tribut verwehrt blieb und wir wegen einem Beitrag für den Slime Tribut-Sampler eh ins Studio wollten sagten wir zu. Wir machen nat. nur bei Tributsamplern von Bands mit, die uns auch persönlich etwas bedeuten. Dritte Wahl kommen wie wir aus MeckPom und begleiten uns mehr oder weniger seit unserer Jugend. Das Erscheinen des Samplers verzögerte sich dann bis heute und andererseits haben wir mit Wolfgang von Das Kartell ihn so aufwendig aufgepeppt, dass wir es fast schon ein bisschen Schade fanden ihn lediglich auf dem Tribut zu verbraten. Daher ist der Song dann letztlich auch auf dem Album gelandet. Wir versuchen ja bei allen Coverversionen unsere eigene Note mit einzubringen und den Song der jeweiligen Band etwas vorher nicht Dagewesenes mitzugeben. In diesem Fall hat es mir besonders Roberts modlastiger Anfang angetan und ansonsten haben wir halt einfach noch ne Schippe Tempo raufgelegt, um ihm etwas mehr Drive zu geben.

RnR: Nun scheint im Angesicht des riesigen Gesamtpakets eine Menge Zeit, Leidenschaft und Arbeit in dem Projekt “Ein kleines bisschen Wut” zu stecken. Wie nervös ist man da angesichts des anstehenden Release-Termins?

Marcus: Wie gesagt haben wir eine Menge Arbeit in dieses Album investiert. Es gab viele Schreckensstunden, die dazu führten einen ersten Veröffentlichungstermin zu verschieben. Auch zum jetzigen Termin müssen wir uns ranhalten, die anstehende Veröffentlichung einzuhalten, denn es liegt in den wenigsten Fällen an uns. Oft sind es „einfach nur“ Softwareprobleme die uns die Arbeit erschweren. Betrachtet man die letzten Monate, macht uns der anstehende Termin der Veröffentlichung natürlich sehr nervös. Im Hinblick auf das Gesamtpackage von „Ein Kleines Bisschen Wut“ sind wir aber absolut überzeugt und somit steht nicht die Nervosität im Vordergrund, sondern die Vorfreude.

 

 

RnR: 20 Jahre Volxsturm ist eine verdammt lange Zeit und sicher habt ihr viele Veränderungen in der Musikwelt und der Szene durchgemacht. Seid ihr Vertreter der Meinung “Früher war Alles besser” oder könnt ihr dem neuen Zeitalter auch Positives abgewinnen?

Hinkel: Wir sind als Personen, als auch als Band eher positiv denkend. Früher war definitiv nicht ALLES besser, genauso wie heute auch nicht ALLES besser ist. Wir versuchen immer das Beste für uns, sei es als Band oder als Privatpersonen. Immer nur schwarzsehen bringt doch auch nichts, und selbstmitleidige Typen sind wir von Natur aus nicht.

RnR: In der Zeit hatten sich bei euch viele Bandfreundschaften entwickelt. Wie sieht es da z.B. mit den Broilers aus, bei denen es steil bergauf geht. Gibt es da noch einen Kontakt?

Wolf: Wir sind mit ziemlich vielen Bands befreundet. Scheint an unserer umgänglichen Art oder wahlweise an unseren Trinkgewohnheiten zu liegen. Eine besondere Freundschaft hat sich sicherlich mit den Broilers herausgebildet und wir haben nach wie vor Kontakt. Wir haben natürlich mittlerweile einen etwas anderen Alltag, da durch den Erfolg der Broilers ihr Bandalltag etwas businesslastiger geworden ist, aber wir haben bei jedem Wiedersehn auch Abseits der Band noch genug zu erzählen und vor allem jede Menge Spaß.

 

 

RnR: Wie schaut euer Plan für den Zeitraum nach der Veröffentlichung von “Ein kleines bisschen Wut” aus? Wird es dazu noch eine Tour geben?

Wolf: Eine reguläre Tour wird es dazu nicht geben. Wir haben das in der Vergangenheit ja regelrecht zelebriert, wollen es dieses mal jedoch bei ner Releaseshow im Rahmen des Revolution-Festivals am 30.04.2011 in Leisnig und diversen anderen Festivalauftritten belassen. Auf dem Revolution-Fest gab es dann den ein oder anderen neuen Song zu hören geben und sowohl Lp als auch CD/DVD wurden zum Sonderpreis erstmalig angeboten. Wir freuen uns nach so langer Zeit ne fette neue Veröffentlichung am Start zu haben und einfach mal wieder live spielen zu können, ohne sich um 1000 andere Sachen kümmern zu müssen. Sehn wir es mal auch als Geschenk für uns nach 20 Jahren Bandbestehen.

RnR: Eine Leserfrage hat uns noch ganz kurzfristig erreicht und zwar: Ist die aktuelle Skinhead-Szene das, was ihr euch vorstellt oder habt ihr zu einigen Themen Kritikpunkte anzubringen?

Hinkel: Solche Fragen sind immer sehr undankbar, weil man/wir sie nicht beantworten kann/können. Wir haben unser persönliches Umfeld und da fühlen wir uns wohl. Ich kann doch nicht über die Szene von ganz Mecklenburg/Ostdeutschland/ Deutschland urteilen. Wat weiß ich, was gerade in da oder da so abgeht. Ich bin doch kein Szenepapst. Ehrlich gesagt, mach ich mir eher Gedanken um meine Familie und meine Freunde, als über “DIE Szene”.

RnR: Welche Botschaft wollt ihr nach 20 Jahren an eure Fans richten?

Hinkel: Naja, Grundtenor soll sicher sein, dass die Leute zum Nachdenken angeregt werden und versuchen sollen, ihren Weg zu gehen, egal wie der aussehen mag. Natürlich soll auch eine Platte Spaß machen, logisch. Aber grundsätzlich soll uns eine Veröffentlichung Spaß machen und gefallen. Und das tut es nach 20 Jahren immer noch.

RnR: Dann drücken wir alle Daumen, dass ihr mit eurem neuen Album den erwünschten Erfolg erreicht und schicken viele Grüße hoch in den Norden!

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