Reclaim The Streets 2011 – Punkrock Bash & Total Oi! – Bericht

Alle Fotos vom Festival gibt es in unserer Galerie!

Am 20. Mai 2011 ging es also los, trotz Weltuntergangsstimmung auf dem Hinweg mit strömenden Regen und Gewitter am Horizont war ich sehr überrascht, dass in München strahlendes Wetter herrschte und dies auch nicht vergehen wollte – was die Stimmung wieder sehr aufgebessert hat. In München am Backstage mittags angekommen waren die Bands schon mit den ersten Soundchecks beschäftigt, was sich auch noch bis nach 17 Uhr hinauszog.

Da das Total-Oi! Festival in Torgau dieses Jahr nicht stattfinden kann, wurde es mit dem Reclaim The Streets gekonnt von Brille in etwas abgespeckter Form (das Festival, nicht Brille *hust*) kombiniert, damit die Fans des Total-Oi! einen “Ersatz” hatten. Die Fans die dann auch gekommen sind, wurden nicht enttäuscht!

Am Freitag hieß es also “Punkrock-Bash” mit vielen bekannten Bands aus den USA, Deutschland und Österreich. Die Band aus Österreich die eigentlich nur ein Ersatz für KLINGONZ war, die kurzfristig abgesagt hatten, war keine geringere als
die BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTTA SPACE und ich muss gestehen, dass ich sehr froh war, dass die KLINGONZ
abgesagt hatten, aber dazu später im Detail mehr.

Der Sound aller Bands war von anfang an schön laut und knackig, nur der Gesang ging bei manchen Bands leider ein wenig unter. Auch der Lichtmann hatte an der einen oder anderen Stelle geschlafen, denn das Schlagzeug aller Bands ging leider
im Schatten unter und die Besucher wurden mehr geblendet als dass die Bands beleuchtet wurden, was auch die fotografische Arbeit etwas erschwerte.

Freitag – PUNKROCK BASH

Laut plan sollte der “Bash” des Reclaim the streets am Freitag um 17:30 Uhr losgehen, was aber durch laufende Proben noch nicht möglich war. Also verspätete sich alles etwas. Verspätet haben sich anscheinend auch viele Besucher, da zu beginn der ersten Band BOTOX COMBO nur vereinzelt Leute vor der Bühne standen. Die Band hatte leider, wie viele andere so oft schon, die undankbare Aufgabe als erster zu spielen aber nichtsdestotrotz haben die Münchener sich nicht beirren lassen und feinsten “Schweine-Rock” von der Bühne geknallt, der in die Ohren ging und dort auch drin blieb.

Nach gut 40 Minuten und weiteren Minuten Auf- und Abbauphase ging es weiter mit der zweiten Band des Abends, nämlich JOHNNY WOLGA. Die großartige Band und ihr (ich entschuldige mich hiermit schoneinmal) kleiner Sänger spielten ein schönes Brett aus den Anfängen des Punkrocks und dies gekonnt. Vorallem aber die Stimme bleibt im Kopf und hat, (und auch hier entschuldige ich mich wieder) wie es Dieter Bohlen ausdrücken würde, “einen guten Wiedererkennungswert”. Also DSDS, haltet euch fest, bald scheißen wir euch auch aufs Dach. Aber nun zurück zum Thema, die Bühnenshow fetzte und die neuen Lieder aus ihrem neuen Album “Punk’s not Back!” liessen sich hören und regten auch zum Nachdenken
über den Zustand der heutigen Punkerszene an, also sehr tiefgründig, großes Lob.

Die nächste Band war normalerweisse FRONTKICK aber diese haben auch im letzten Moment leider krankheitsbedingt abgesagt und somit war die Organisation ein wenig durcheinandergebracht, was nach ein paar Anläufen auch super geklappt hat.

Die Mengen füllten sich so langsam und die nächste Band fing an zu Spielen. CIVET waren ein echter Hingucker und haben richtig etwas für das männliche Auge geboten, die fordersten Besucher erfreuten sich über Miniröcke und zerfetze Strumpfhosen. Die Band aus den USA bestand aus 2 Frauen und 2 Männer. Die Jungs und Mädels spielten ein schönes Rock-Brett und präsentierten ihr neues Album “Love & War”, in welches man aufjedenfall einmal reinhören sollte wenn man auf The Runaways & Co. steht. CIVET eröffneten auch den ersten Pogokreis und die Stimmung wurde immer besser.

Spätestens nach der kommenden Band aber war die Stimmung am Kochen. ROGER MIRET (Agnostic Front) & THE DISASTERS aus New York scheuchten mit lautem und dreckigem Streetpunk mit der Power von Agnostic Front die Menge auf und liessen keine Augen trocken, vor Allem weil Frontman Roger der wohl meist-schwitzende Mann in den zwei Tagen war. Bei diesem Einsatz aber verständlich und somit ein gelungener Auftritt, der mit einer tobenden Meute belohnt wurde.

Nach diesem Auftritt musste erstmal jeder eine Verschnaufpause einlegen und ging an die frische Luft oder gönnte sich an der Bar ein kühles Bier (natürlich Pogorausch).

Der vorletzte Akt war von der allseits bekannten deutschen Punkband RASTA KNAST und in meinen Augen leider etwas “Lahm” was aber daran liegen kann, dass man sie schon sehr oft auf Festivals und Konzerten sah. Nichts desto trotz war ihr Punkrock hart und direkt und hielt die Stimmung auf der höhe.

Die Bühne leerte sich wieder und es wurde fleißig für die letzte Band des Abends aufgebaut und getüftelt. Nun kamen auch die letzten Psychos aus ihren Kellern und Löchern und waren schon gespannt auf den Auftritt der BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTTA SPACE aus der schönen Stadt Wien. Brille hat mit dieser Band einen sehr guten Fang gemacht und sie waren aufjedenfall eine würdige Vertretung von KLINGONZ. Sie waren mit THE DISASTERS der Höhepunkt des Abends, brachten die letzten vor die Bühne und waren eine gelungene Abwechslung. Die Bühnenshow der Psychobillyband war erste Sahne und kann sich sehen lassen. Ob der Sänger mal kurz mit seinen Schlagzeugsticks auf dem Kontrabass spielte oder die Musikinstrumente kurzfristig untereinander getauscht wurden, es wurde alles geboten, vorallem die Schminke
war beeindruckend und das erste mal lieferte der Lichtmensch auch eine gute Performance. Es wurde eine Zugabe nach der anderen gegeben und somit ein sehr langer Auftritt, zugunsten der Zuschauer. Ich möchte hiermit die KLINGONZ nicht schlechtreden da sie ja nicht die Chance hatten aufzutreten, aber alle waren anscheinend froh, dass BZFOS die Bühne betraten.

Es war nach 1 Uhr und der letzte Auftritt fand somit auch leider sein Ende. Es wurde eine weitere Verschnaufpause eingelegt die sich jeder verdient hatte und danach hieß es, standhaft bleiben für die Aftershow-Party mit DJ FAST LAP aus München. Leider überhörten dies viele und zur Aftershow-Party blieben nur wenige Überbleibsel. Es wurde ein Mix aus alledem gespielt, was man in der Szene mal gehört hat, von Ska bis hin zu Proletenpunk wurde alles zusammengeworfen, was aber die meisten Menschen durch ihren körperlichen Zustand nicht weiter störte. Es hat trotzdem Spaß gemacht
das letzte aus sich rauszuholen und der wirre Misch-Masch an Musik passte irgendwie dazu. Um ca. 4 Uhr erklang dann die erste Rausschmeissermusik und alle machten sich auf den Heimweg.

Samstag – TOTAL OI!

Am Samstag ging es auch etwas verspätet um ca. 18 Uhr mit der sehr jungen Band LAZY BASTARDS los. Wie schon auf dem Son of a Bastard Festival mussten sie auch hier als erster und somit vor fast leeren Hallen spielen, was sehr schade war. Trotzdem machten die Jungs das beste draus, waren ein guter Einstieg in den Total-Oi! Samstag und sind aufjedenfall eine Empfehlung wert . Der Ton hat diesmal sehr gut gepasst und der Lichtmensch hatte anscheinend auch einwenig dazu gelernt – was manch einen doch sehr erfreute.

Nach LAZY BASTARDS trat die Londoner Skinheadband BOOZE AND GLORY auf und präsentierten erstklassigen Gesang und schönen gepflegten Oi!. Wie auch bei der ersten Band hatten sich noch nicht wirklich die Besucher erbarmt die Tanzfläche zu besuchen und blieben eher im Hintergrund versteckt, da haben diese aufjedenfall etwas verpasst.

Weiter ging es mit den GUV’NORS und endlich wurden die Leute durch DJ EMPEROR und den Sänger der BOVVER BOYS etc. dazu bewegt sich an die Bühne zu wagen um den Klängen der Dänischen Jungs zu lauschen. Dies war aufjedenfall kein Fehler, denn sie boten mit ihrer Musik einen Mix aus alledem was man so an Musikschienen kennt und mischten dies sehr gekonnt in ihre Lieder ein. Top.

Es war wieder Zeit für eine kleine Verschnaufpause und alles wurde aufgebaut für die Band GIMP FIST aus England. Zu ihrem Auftritt kann ich nur ein großes Lob aussprechen, es wurde mit einem Mix aus Punk, Ska und Oi! super Stimmung gemacht und die Meute zog es vor die Bühne. Auch der erste kleine Pogokreis eröffnete sich wieder und nichts konnte dem erfolg des Abends noch im Wege stehen. Sie spielten sehr mitreißende Lieder und coverten wie so viele Bands vorher auch zu Schluss ein Lied von Cock Sparrer, worüber sich Jeder freute.

Jetzt hieß es, nocheinmal ein kühles Maß aus dem schönen Biergarten oder ein pralles Pogorausch zur Erfrischung und dann ab zurück zur Bühne. Diesmal hatte man die Ehre mit den RAZORS IN THE NIGHT zu feiern und dies ohne Gnade. Die Jungs aus Boston waren auf ihrer ersten Europa-Tour und waren live einfach nur purer Spaß! Die Musik war hammerharter Dampflock Streetpunk/ Hardcore auf höchstem Niveau. Sie lieferten die Beste Bühnen-Show an diesem Abend ab, wie den Abend zuvor die BLOODSUCKING ZOMBIES, wobei der Ausdruck “Bühnen”-Show wohl eher falsch ist, da der Panzer von Sänger gleich im ersten Lied wie verrückt von der Bühne in die Menge sprang und dort fast das ganze Konzert das Pogo aufmischte und die Menge anheizte alles zu geben, was man auch schön auf den beigelieferten Bildern erkennen kann. Dabei sind leider die anderen Bandmitglieder etwas in den Hintergund gerückt worden, was zu dieser Zeit aber glaub ich keinen störte ausser sie selbst vielleicht. Trotz des energischen Körpereinsatzes des Sängers war dieser, was mich sehr verwunderte, noch in der Lage seinen Gesangt sehr gut rüberzubringen und sein Mikro festzuhalten. Diese Band ist aufjedenfall und zu jeder Zeit, wie es Contra Records so schön ausdrückte, ein absolutes Muss!

Auf die nächste Band freute sich jeder, es spielten die Holländer EVIL CONDUCT, eine der bekanntesten Skinheadbands in Europa. Sie brachten einen guten Song nach dem andern und unter anderem viele Songs von ihrer erst kürzlich neu erschienenen Platte “Rule O.K” wovon jeder Einzelne spitze ist. Wer diese Platte nicht sein eigen nennen kann ist selber schuld! Die Band sang zusätzlich ein sehr lange reihe an Zugaben, denn keiner wollte das dieser Auftritt zu Ende ging.

Nach einem langen Auftritt von EVIL CONDUCT war nun die Skaband SKARFACE aus Frankreich an der Reihe um den Leuten zu zeigen, was sie so können. Die Band existiert schon seit über 20 Jahren und ist weltweit bekannt, was sie bei ihrem Konzert auch klar und deutlich zum Ausdruck brachten. Bier, Spaß, Gehopse und Getanze war nun an erster Stelle und dies zum Glück nicht zu Knapp. SKARFACE waren aufjedenfall eine gelungene Abwechslung und passten trotzdem sehr gut zum Ganzen.

Nun sollte leider auch schon der Total-Oi! Samstag langsam zur Neige gehen, aber Brille hatte noch eine letzte Band im Angebot welche keine geringere als die BOVVER BOYS aus Aachen war. Die mitlerweile schon alten Hasen hatten schönen alten “early” Oi! mit im Gepäck der qualitativ sehr hochwertig war. BOVVER BOYS sind eine sehr sympatische deutsche Skinhead-Band die auf den meisten Festivals nicht fehlen sollten. In der Band sind abgesehen von Gitarre und Bass ein Saxophon und seit neustem eine Orgel vertreten, was den Sound ziemlich aufmotzt. Auch Interessant für Fans und die, die es noch werden wollen, veröffentlichen die BOVVER BOYS ab Juni eine neue 7″ EP “You won’t fool us now” und weitere Compilations die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die BOVVER BOYS waren von der Bühne und nun sollte die lange Nacht noch mit einem Allnighter zu Ende gehen. DJ EMPEROR aus Berlin sollte uns mit einem Mix aus Ska, Northern Soul, Two Tone und Reggae verwöhnen, was anfangs durch technische Probleme leider noch nicht möglich war. Nach viel Rumgemache der Crew auf der Bühne war auch dieses Problem gelöst und der DJ konnte loslegen. Schon wieder vermisste man viele bekannte Gesichter auf der Tanzfläche die nach den BOVVER BOYS anscheinend den Rückzug angetreten hatten, schade. Die Leute die allerdings auf der Tanzfläche waren tanzten ausgelassen wobei der klassische Ska einwenig zu kurz kam. Vor 5 Uhr war dann nach dem letzten Wunschlied der Meute langsam aber sicher Sense und die letzten Alkoholleichen wurden freundlich nach Hause gebeten.
Gut war, dass ausserhalb der Halle in dem großen Backstagekomplex eine weitere “Punk-Party” stattfand wo die Nacht auch weiterging bis diese auch aufgelöst wurde. Wer dann noch nicht genug hatte, konnte bis in den Tag noch auf einer GOA-Party, die auch in dem Komplex stattfand, weitertanzen, aber das ist eine andere Geschichte.

Kommen wir nun zum Resumée dieser ganzen Geschichte:

Positiv:

- Faire Preise + die Möglichkeit Tageskarten zu Kaufen
- Fettes Lineup
- Super Location (Vorallem mit dem Nachtbiergarten um die Ecke!)
- Gute Organisation und die meisten Leute waren gut drauf
- Schöne Kombination aus Oi!, Ska, Hardcore und Punk
- Tolles Wetter

Negativ:

- Leider nicht übermäßig viel an Besucher gehabt
- Die Aftershows wurden zu früh abgebrochen

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