Kein Halt in Freimann – das Punk-Hörspiel im Review

München – das heißt für mich erstmal:  Schickeria, Weißwurst und Fc Bayern. Doch jenseits dieser Klischees, welche sicher auch einen gewisser Teil der Wahrheit sind, tobt in der bayrischen Metropole auch der Punk. Genau das war die Grundlage für dieses Hörspiel. Wie ich zugeben muss, wohl das erste, das ich mir seit etlichen Jahren angehört habe.

Was soll ich sagen? Es hat sich echt gelohnt und hat mir meine letzte Tour in die Haupstadt – passenderweise auf dem Weg zu einem Konzert – sehr unterhaltsam gestaltet.

Unterhaltsam in dem Sinne, dass ich mich in die Story richtig gut vertiefen konnte und mich auch selbst dabei erwischte wie ich lieber auf der rechten Spur geschlichen bin, um es besser zu genießen. Die Stimmen zeichnen wirklich sehr komplexe Charakterbilder und regen im Spiel mit der sehr gelungenen Produktion das Kopfkino (altdeutsch auch “Fantasie” genannt) an. Doch erstmal zum Anfang der Geschichte.

Protagonist der Story ist Fränk; er ist sowohl Erzähler als auch Hauptcharakter. Die Rhetorik und Stimme von Norman Sonnleitner sind in gewisser Weise wirklich mitreißend, aber auch nicht übertrieben überbetont. Fränk ist ein Altpunker, der seit Anfangszeiten mit dabei war und ein wildes Leben lebte. Das Motto “Sex, Drugs & Rock’n'Roll” beschreibt seinen damaligen Lebensstil und das ist wirklich nicht untertrieben. Er beschreibt seinen Weg vom Punk, später zum Oi-Skin und dann zum “Szenenlosen”. Die zunehmende Politisierung und Instrumentalisierung der Szenen waren immer ein Anstoß für seine persönliche Fortentwicklung gewesen und haben ihn letztendlich zu einen unabhängigen Musikliebhaber gemacht.

Ganz anders geht es seinem alten Kumpel und Mentor Tom. Dieser ist auf seinem Lebensweg abgedriftet und abgestürzt. Er ist ein hoffnungsloser und gescheiterter Randalierer. Über das erneute Zusammentreffen von Tom und Fränk erzählt die Story des Hörbuchs. Ein harmloser Konzertbesuch mündet in einer dramatischen Eskalation ihres Konflifkts. Nun ja, die Hauptstory ist nun nicht sonderlich verworren oder komplex. Es wird hier aber mit sehr viel Hintergrundinfos erzählt und Fränks Gedanken und Ideen stehen auch immer wieder im Vordergrund. Man kann dem Ganzen sehr gut folgen und dabei auch einfach mal abschalten.

Der Soundtrack, welcher auf einer zweiten CD noch extra enthalten ist, beinhaltet nun nicht die großen und bekannten Namen, spiegelt aber eine richtig gute Vielfalt wieder.  Da sind z.B. die GUMBABIES am Start, welche sehr rockigen Punk liefern. KAFKAS ORIENT BAZAAR haben nicht nur einen seltsamen Namen, sondern ihre Musik klingt auch recht ungewohnt: eine Mischung aus Indie-Rock, Punk und Synth-Klängen. Der Beriech “Oi” wird durch die MUMMYS DARLINGS ebenfalls sehr würdig abgedeckt. Alle Acts sind hierbei im weiteren Sinne aus dem Raum München und lockern das Hörspiel in angenehmer Weise auf.

Selbst mir als Hörspiel-Muffel, der nie sowas wie die drei Fragezeichen, TKKG oder sonstwas gehört hat, gefällt das Hörspiel sehr gut. Vielleicht auch weil ich selbst einen persönlichen Bezug zur Thematik habe. Aber ganz sicher auch, weil es wirklich mit großer Leidenschaft gemacht wurde. Es entstand alles in DIY-Manier, klingt aber wirklich sehr professionell und authentisch. Die Macher für das Stück waren immerhin auch Leute aus der Szene und keine sesselpupsenden Medienstudenten von einer Hochschule. Sebastian Kuboth, Gründer von Punkrocknews.de, zeichnet sich für das Buch verantwortlich und hat einen richtig guten Job gemacht. Bleibt mir nur noch die Finale Frage: Fortsetzung?

www.kein-halt-in-freimann.de

CD 1 – Das Hörspiel
01. Kennen Sie das?
02. Ich mach lieber mein Ding!
03. Jung war ich …
04. Dieses Arschloch!
05. Will er mich testen oder was?
06. Endlich wieder in Freimann!
07. Ein typisches Konzert …!
08. Nicht mehr aus der Wohnung gehen?!
09. Weiterentwicklung ist etwas wesentliches
10. Nicht verarbeitete Dinge…
11. Woran soll man glauben?

CD 2 – Der Soundtrack:
01. Tobsi – Perfekte Droge
02. Taxgas – Der Junge im Kino
03. Brainbucks – Anarchie muss her
04. Destination:Failure! – Searching
05. Mummy’s Darlings – Friendship (Rohmix)
06. Kafkas Orient Bazaar – F.O.T.O.
07. The Moosholzers – Kein Halt in Freimann
08. Kein Signal – So manche Nacht
09. Taxgas – Mir geht’s doch genauso schlecht
10. Destination:Failure! – New Year’s Eve
11. Pock – Not My Fault
12. The Gumbabies – A Token World
13. Jakob Braun – $%#!&?!:-@ (Instrumental)

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