COR – Herztier (Review)
Knapp anderthalb Jahre nach dem Release von “Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere!” melden sich COR zurück auf dem Oberdeck. Offensichtlichste Veränderung ist zunächst der wesentlich kürzere Albumtitel “Herztier”, aber die Produktion, die Texte, die Songs – alles kommt aus eigener Hand. DIY heißt da die Marschroute und jeder der COR kennt, weiß dass die Band bisher keinem Trend hintergerannt ist. Ihr dreckiger und ehrlicher Sound ist seit je her ein Markenzeichen und es gäbe sicher nix schlimmeres als eine aalglatte und technisch 100%ig ausgefeilte Produktion von den Rügenern.
Zu Anfang wird auch kaum gezögert und der Titelsong “Herztier” eröffnet das Feuerwerk. Da wird das Schlagzeug verprügelt und kurze knallige Gitarrenriffs prägen da den Sound. Thematisiert wird das Menschsein und Friedemanns Gesang pendelt zwischen Shouting und auch teils klarem Gesang im Refrain. “Streik” passt da im Gegensatz schon etwas mehr in den “klassischen” Sound von COR – eben kompromisslos brutal.
Allgemein bewegt sich ihr musikalischer Kosmos irgendwo zwischen Hardrock, Metal, Hardcore und Punk. Viele Tempowechsel, zwischendurch immer mal wieder schnelle und stark verzerrte Gitarrensoli. Man fühlt sich da fast schon erschlagen, wie bei manchem Live-Gig der Rügener, bei denen es auch immer sehr heftig zugeht. Textlich ist das Album wieder ein wahrer Hochgenuss. Da geht es um Menschlichkeit, die Gesellschaft, Individualität, Freiheit und Schicksale. Wie schon auf den Alben zu vor werden dabei auf stichelnder Weise immer irgendwie Gewissensbisse und auch ein kritisches Bewusstsein über alltägliche Ereignisse vermittelt. Schade, dass der Promo kein Heftchen beiliegt – gute Lyrics lese ich mir da immer gerne in einer gemütlichen Minute mal durch.
So muss ich mir eben das Album ein paar Mal anhören, was weitaus weniger Arbeit ist als es sich anhören mag. Die 45 Minuten Spielzeit vergehen wie im Fluge und die einzelnen Songs sind auch gute Ventile, um Emotionen einfach mal loszuwerden oder auszuleben. Meine Anspieltipps sind “Herztier”, “Bastard”, “Licht”, “Gesicht der Gesellschaft” und “Beissen”. Im Vergleich zum Vorgängeralbum ist die Scheibe weitaus weniger experimentell. COR bleiben in ihrem Fachgebiet und pfeilen da an ihren Sound, der nicht so klingt wie ein glatt geschliffener Diamant, sondern viel mehr wie ein rostiger Nagel – roh, gemein und stechend. Genau wie auch die Lyrics, welche für mich im Bereich deutscher (Untergrund-) Rockmusik mittlerweile maßstabgebend sind.
Trackliste:![promo09[1]](http://www.rock-rebel.de/wp-content/uploads/2010/11/promo091-300x197.jpg)
01. Herztier
02. Streik
03. Heilig
04. Paul
05. Bastard
06. Seelengift
07. Stoerenfried
08. Lass sie nicht rein
09. Fallen lernen
10. Licht
11. Gesicht der Gesellschaft
12. Beissen
13. Vermisst



