Broilers – Santa Muerte (Review)
Vier für die Band mehr als erfolgreiche Jahre sind seit dem Erscheinen von “Vanitas” ins Land gegangen. Die Düsseldorfer Punkrocker von den Broilers haben zwischenzeitlich eine DVD zum 15-jährigen Jubiläum veröffentlicht und nun ein Jahr vor der Volljährigkeit kommt das neue Studioalbum “Santa Muerte” auf den Markt. Wer die Band in den letzten Jahren ab und zu mal live gesehen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass sich in der Zeit ihr Live-Sound dank einer erweiterten Besetzung mehr und mehr in Richtung Ska und Soul entwickelt hat. Dies hat sich, wie man bereits bei der Single-Auskopplung von “Harter Weg (Go!), auch auf dem Album jetzt so niedergeschlagen.
Das Album beginnt, so muss ich eingestehen, mit einer kleinen Enttäuschung. Das Intro fällt wirklich sehr minimalistisch und spannungslos aus, ganz im Gegensatz zum “Vanitas”-Preludio, welches vor allem live die Stimmung immer sehr aufgeheizt hat. Nun ja, aber das ist im Vergleich zum ganzen Rest des Albums eine absolute Kleinigkeit. Zum ersten richtigen Song “Harter Weg (Go!)” muss ich nicht mehr viel sagen. Durch die Single-Auskopplung, Videoclip und den ersten Live-Darbietungen bei der letzten Tour ist dieser Song bereits schon “etabliert”. Ganz klar rücken hierbei die Ska-Einflüsse in den Vordergrund.
“In ein paar Jahren” beginnt mit einem mediterran anmutenden Mandolinen-Intro und wirkt richtig frisch. Die Broilers sind wahrlich nicht stehen geblieben in den letzten Jahren. Auch wenn der Sound relativ harmonisch und wenig agressiv daherkommt, stecken in den Lyrics immernoch (Broilers-typisch) sehr subtile und durchdachte Botschaften über Rebellion, Freiheit und auch Politik. Wo andere Bands stumpf ihre Botschaften und Parolen herausbrüllen, verpacken die Düsseldorfer ihre Aussagen in wirklich sehr ausgefeilten Lyrics. Ein Musterbeispiel ist, meiner Meinung nach, der beste Song des Albums “Tanzt du noch einmal mit mir?”. Es ist eine relativ flotte Punkrock-Nummer, die oberflächlich ein Partysong sein könnte, aber inhaltlich stecken da so viele Botschaften und Gedanken über die politische Entwicklung in Deutschland drin, welche sicher den ein oder anderen Nerv treffen werden.
“Schwarz, Grau, Weiß” geht diesmal mit einem sehr groovigen Ska-Beat inhaltlich in eine ähnliche Richtung und rechnet nochmals ganz klar mit der neuen Welle neokonservativer Phrasendrescher ab. Das ist alles an sich sehr schwerwiegender Inhalt, kommt aber dank der musikalischen Untermalung und der guten Texte absolut nicht oberlehrerhaft rüber. “Santa Muerte” ist nun aber kein Album, dass nur politische und gesellschaftliche Themen abdeckt, sondern es darf auch getanzt und gefeiert werden. “33 rpm” ist eine schnelle und extrem tanzbare Nummer, mit starkem Ska- und Jazz-Anteil, bei dem es schwer fällt die Füße ruhig zu halten. Das kann live nur eine Bombe werden!
Bei “Vom Scheitern (The World Is Yours, Nicht!)” muss ich nicht nur dank des Zusatzes in Klammern an Russland denken (“The World is Yours” ist ein Album der russischen Ska-Punker Distemper) sondern es finden sich auch folkloristische Elemente aus der Gegend wieder. Das klingt wie auch bei so vielen anderen Songs alles wirklich sehr innovativ. Wer hier einen Abklatsch von irgendeiner anderen Band zu suchen vermag, wird wahrscheinlich nicht fündig werden. In den letzten Jahren haben die Broilers ihren Stil weiterentwickelt, der nun mehr Ska-, Jazz- und Soul-Anteile hat, aber im Vergleich zur Vanitas klingen viele Songs wieder deutlich punkiger und fallen insgesamt auch einen Tick schneller aus. Also, falls ihr morgen eure Wochenendeinkäufe erledigt, dann könnt ihr bedenkenlos das “Santa Muerte”-Album mit in den Einkaufskorb schubsen!




